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Weshalb ist Jerusalem auch für Juden und Christen von Bedeutung?


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Liebe Leserin, lieber Leser,

die heilige Stadt Jerusalem besitzt in allen drei monotheistischen Religionen eine wichtige Stellung.

Jerusalem im Judentum

In der Thora wird Jerusalem ein einziges mal unter dem Namen „Salem“ erwähnt (1. Buch Mose 14, 18). Es ist umstritten, ob es sich bei dem Berg Moriah, auf welchem Ishaq geopfert werden sollte, um den Ort handelt, auf dem der Tempel Salomos errichtet wurde. Zur Zeit von David wird die Stadt zum religiösen und politischen Zentrum des Königreiches. ( vgl. 2 Sam 6-7; 2 Sam 24, 18-25; 1.Chr 21, 18-22)

Zur Zeit des ersten Tempels wurde der Tempelberg auch Zion gennant, während der Begriff Zion auch für Jerusalem insgesamt verwendet wurde. Dass David eine ewige Herrschaft zugesprochen wurde, wird auch als Indiz für die Ewigkeit Jerusalems aufgefasst. (vgl. 2 Sam 7,13-16) Die Errichtung des Tempels zur Zeit von Salomo sowie die Annahme, dass der Tempel jederzeit Gott untersteht, trug ebenfalls zur Heiligkeit Jerusalems bei.

In den Psalmen (Psalm 132) wird die Stadt Davids (Zion), zu welcher die sogenannte Bundeslade gebracht wurde, nicht nur als die von Gott auserwählte, sondern auch als die von ihm bewohnte Stadt bezeichnet. Für den Propheten Jeremia ist Jerusalem „des Herrn Thron, das Land der Gerechtigkeit, der Berg der Heiligkeit“. (vgl. Jer 31, 23; vgl. Jer 33, 14) Außerdem wird Jerusalem als empor ragende „Freude der ganzen Erde“ (vgl. Psalm 48, 2) sowie als „Vollendung der Schönheit“ (vgl. Psalm 50, 2) bezeichnet.

„Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.
Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein.“ (Psalm 137, 5-6) Auch im jüdischen Recht wurde Jerusalem aufgrund seiner Heiligkeit und Besonderheit anders als andere Städte betrachtet. So wird in der Tora vorgeschrieben, dreimal im Jahr - an Pessach,
Schawuot und Sukkot - nach Jerusalem zu pilgern: „Dreimal im Jahr sollen erscheinen all deine Männlichen vor dem Angesicht des Ewigen, deines Gottes, an dem Ort, den er erwählen wird, am Fest der ungesäuerten Brote, am Fest der Wochen und am Fest der Hütten. Man erscheine nicht leer vor dem Angesicht des Ewigen“. (5. Buch Mose 16,16)

Der Aufenthalt der Pilger, welche sich zur Zeit des Jerusalemer Tempels in Jerusalem aufhielten, prägte damals stark die kulturelle Lebenswelt der jüdischen Bevölkerung.

Als die von Gott erwählte Stadt hat sich Jerusalem als Symbol der größten Werte und Hoffnungen des Judentums etabliert. Bereits Propheten sprachen mit Lob von ihr. Jesaja spricht von „Stadt der Gerechtigkeit“ (Jes 1, 26) und gibt an: „von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem“ (vgl. Jes 2, 3). Ferner prophezeit Jeremia, dass man Jerusalem als „des Herrn Thron“ bezeichnen wird und sich dort alle Menschen versammeln werden. (vgl. Jer 3, 17) Im Talmud heißt es, dass man ohne Jerusalem gesehen zu haben nicht wissen kann, wie eine schöne Stadt aussieht. (vgl. Sukkot, 51b)

Dem Midrasch nach wurde Adam aus der Erde des Jerusalemer Tempels erschaffen und einer Überlieferung zufolge, begann die Erschaffung der Erde mit der Erschaffung Zions.(vgl. Genesis Rabbah, 14, 8)

In der Halacha (jüdische Normgebung) gilt das ganze Land als heilig, Jerusalem jedoch am heiligsten. In der jüdischen Normgebung sind Bestimmungen aufgelistet, die durch die sakrale Bedeutung Jerusalems bedingt sind. (vgl. J. Neusner: The Halakhah: An Encyclopaedia of the Law of Judaism, Leiden 2000, Bd. V, S. 15-16.)

Auch wenn es so scheint, als würde Jerusalem mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr. im Leben der jüdischen Bevölkerung an Bedeutung verloren haben, so bleibt Jerusalem der heiligste Ort für Juden und stellt für sie ein spirituelles und normatives Symbol dar. So richten sich Juden während ihrer Gebete - unabhängig davon wo sie sich befinden und wann sie beten - in Richtung Jerusalem.

In täglichen Bittgebeten und Gottesdiensten wie dem Tischgebet oder dem Amidah-Gebet wird der Wunsch über die Rückkehr nach Jerusalems sowie die Neuerrichtung der Stadt zu Wort gebracht. Außerdem trauert man in Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems bzw. des Tempels. Jerusalems sakrale Bedeutung wird unter anderem auf die Messias-Erwartung zurückgeführt, wonach ein jüdischer Staat in Jerusalem durch einen Messias errichtet werden wird. Die Neuerrichtung Jerusalems und des Tempels sind ebenfalls Aspekte dieser Überzeugung. Der jüdischen Tradition zufolge gibt es ein Jerusalem am Erdboden und ein Jerusalem im Himmel („Neues Jerusalem“ oder auch „Himmlisches Jerusalem“). So heißt es im Talmud, dass die Menschen nicht ins himmlische Jerusalem eintreten werden, bevor nicht Gott in das irdische Jerusalem eintritt. Das „Neue Jerusalem“ soll demnach nach der Apokalypse, also nach dem
Vergehen der Erde herabkommen und das irdische Jerusalem ersetzen.

Um bei der Neuerrichtung Jerusalems und der Auferstehung der Toten dem Tempel nah zu sein, sich Leid und Zeit zu ersparen, wünscht man sich auf dem Ölberg begraben zu werden. Die Aussage “Nächstes Jahr in Jerusalem“ ist der traditionelle Wunsch am Schluss des jüdischen Sederabends (Vorabend des Pessach). (vgl. Dictionnaire Encyclopedique du Judaisme, S. 573)

Jerusalem im Christentum

Auch im Neuen Testament wird Jerusalem eine wichtige Bedeutung zugesprochen. So beginnt Jesus Christus dem Markus Evangelium zufolge im Gebiet Galiläa mit der Verkündung der Offenbarung, zieht sich jedoch aufgrund ablehnender und feindseliger Reaktionen des Volkes zurück nach Jerusalem. Nach Konfrontationen mit jüdischen Autoritäten prophezeit er die Bestrafung der Stadt und die Verunreinigung des Tempels. Als der christlichen Auffassung nach Jesus außerhalb der Stadt schließlich gekreuzigt wird, reißt unmittelbar danach tatsächlich der heilige Vorhang des Jerusalemer Tempels und es kommt später zur Zerstörung der Stadt durch die Römer.

In den anderen Evangelien sind noch weitere Angaben zu finden. Im Johannes Evangelium beispielsweise wird festgehalten, dass Jesus viele Male nach Jerusalem kam.
Den Evangelien nach hat Jesus Christus sein irdisches Leben in Jerusalem beendet und seine Jünger haben dort den „Heiligen Geist“ empfangen.

Jerusalem im Islam

Auch wenn Jerusalem im Koran nicht explizit genannt wird, gibt es Koranverse, die indirekt Bezug zu dieser Stadt nehmen. So wird beispielsweise die al-Aqsa-Moschee am Tempelberg erwähnt und ihre Umgebung als gesegnet bezeichnet (vgl. Sure 17:1), das Gebiet Jerusalems wird als heiliger Boden (vgl. Sure 5:21) und schöner, guter Ort beschrieben (vgl. Sure 10:93).

In den Hadithen wird die al-Aqsa-Moschee in Jerusalem als die zweite Moschee, welche nach der al-Haram-Moschee in Mekka erbaut wurde beschrieben. Ferner gehört die al-Aqsa-Moschee neben der Prophetenmoschee in Medina und der al-Ḥaram-Moschee zu den drei Gebetsstätten, welche im Islam eine hohe Bedeutung haben und von Muslimen besucht werden können. (vgl. Buḫārī, Faḍlu ṣ-ṣalāt fī masǧidi makka wa-l madīna, 6, Ḥaǧ, 26, Anbiyā, 8, 40; Muslim, Ḥaǧ, 288, Masāǧid, 2; Nasāʾī, Masāǧid, 3)

In manchen Hadithen des Propheten (s.a.s.) wird das Beten in dieser Gebetsstätte empfohlen. (vgl. Abū Dāwūd, Ṣalāt, 14)

In einigen Überlieferungen (außerhalb der kutub as-sitta) wird prophezeit, dass Jesus nach seinem Herabkommen und Wirken als Messias in Medina neben dem Propheten Muhammad (s.a.s.) oder in Jerusalem begraben werden wird.

Während der letzten zwei bis drei Jahre vor der Hiǧra (Auswanderung) soll der Prophet Muhammad (s.a.s.) sich bei seinen Gebeten in Richtung Jerusalem gerichtet haben. (vgl. Ibn Saʿd, I, 243; Qurṭubī, II, 150; Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī, IV, 110)

Dies soll nach der Ankunft in Medina 16-17 Monate - es sind unterschiedliche Überlieferungen vorhanden - angedauert haben, bis schließlich die Kaaba als Gebetsrichtung vorgeschrieben wurde. (vgl. Buḫārī, Ṣalāt, 31, Tafsīr, 18; Muslim, Masāǧid, 11-12)

Dieses Vorgehen des Propheten Muhammad (s.a.s.) stellt einen der Gründe dar, weshalb Muslime Jerusalem als ein religiöses Zentrum betrachten und es ehren.

Hinzu kommt die Rolle Jerusalems bei der wundersamen Nacht- und Himmelsreise des Propheten (s.a.s.), bei der er von der al-Ḥaram-Moschee in Mekka zur al-Aqsa-Moschee in Jerusalem gereist ist und von dort aus in den Himmel aufgestiegen ist. (vgl. Sure 17:1)

Ferner ist Jerusalem insofern für alle monotheistischen Religionen von Bedeutung, als dass nach Abraham viele Propheten in Jerusalem gelebt und gewirkt haben, dort Salomo den Tempel erbaut hat und die Kinder Israels und die zu ihnen gesandten Propheten dort vieles durchleben mussten. (vgl. Abū l- Faraǧ ibn al-Ǧauzī: Faḍāʾilu l-Quds, S. 63-147; Harman: Kudüs, in TDV İslam
Ansiklopedisi, Bd. 26, S. 323-327)

 

Selam & Dua

Fragenandenislam - Team

 

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